Bioscope

bioscope

Maarten Isaäk De Heer

Berlin 2017 • Lentikulardruck

Eine kleine Stadt am Meer. Während sich im Hintergrund Felder wie ein Flickenteppich gen Horizont erstrecken, spielen sich im Vordergrund, in Häusern und auf dem Marktplatz, brutale Szenen ab. Eine Horde Gnome ist über die Stadt hergefallen, malträtiert die dort lebenden Tiere auf niederträchtige Weise. Haushoch gewachsene Pflanzen tragen zu einem trotz der leuchtenden Farben insgesamt dystopischen, düsteren Eindruck bei.
Im Stile der berühmten Wimmelbilder der niederländischen Maler Pieter Bruegel der Ältere (ca. 1525 –1569) und Hieronymus Bosch (ca. 1450 – 1516) hat Maarten Isaäk de Heer mit „Bioscope“ eine intensive und lebendige Szene geschaffen, die voller kleiner Details und Zusammenhänge ist. Bewegt man sich während des Betrachtens, um einen neuen Standpunkt zu suchen oder sich ein Detail zu erschließen, so setzt sich die Szene plötzlich selbst in Bewegung. Flammen schlagen aus einem brennenden Haus, Maden kriechen über den Boden und unermüdlich treiben die Gnome ihr teuflisches Spiel. Die Bewegung im Bild entsteht durch die Technik, in welcher der Künstler sein Bild von der digitalen in die analoge Welt überführt hat: dem Lentikulardruck, auch Linsenrasterbild oder Wackelbild genannt. Dabei wird auf einen Druck – im Falle von Bioscope die in Linien aufgeteilte Aneinanderreihung von Animationsphasen – sorgfältig ein Raster aus winzigen, kaum sichtbaren Lentikularlinsen angebracht. Je nach Betrachtungswinkel sieht man durch die Linsen einen anderen Bildstreifen, eine andere Animationsphase.
„Bioscope“ ist ein Unikat, ganz in der Tradition der Werke niederländischer Alter Meister. Um dies zu untermauern, hat Maarten Isaäk de Heer die einzige existierende digitale Kopie der Druckdatei bei der Enthüllung seines Kunstwerks im Sommer 2017 (Animafest Zagreb) eindrucksvoll zerstört. Mit einer hydraulischen Presse wurde die Festplatte zu nutzlosen Fragmenten zerkleinert. Übrig blieb einzig das animierte Gemälde. Oder wäre es vielleicht treffender, von einer gemalten Animation zu sprechen? Hier offenbart sich die Begeisterung des Künstlers für die Interdisziplinarität,
das Ausloten der Randbereiche des klassischen Animationsfilms, die sich wie ein roter Faden durch sein künstlerisches Werk zieht.

www.maartenisaakdeheer.com