FAB Dimensional

FAB Dimensional

Animation Expanded

Bei unserer zweiten Ausgabe von „FAB Dimensional“ zeigen wir wieder Animationskunst ausserhalb des Kinosaals, jenseits des klar begrenzten und gewohnten Rahmens linear ablaufender Filme. Das Medium Animationsfilm bietet per se im Produktionsprozess und in der Herangehensweise schon viele Schnittstellen zu anderen künstlerischen Medien wie Bildhauerei, Game oder Installation. Die diesjährige Ausstellung zeigt fünf künstlerische Positionen, die in sehr unterschiedlichen Herangehensweisen Animation im Raum erfahrbar machen, zur Interaktion einladen und zum Staunen verleiten.

In den wunderbaren Räumen des Verwalterhauses eröffnen wir für acht Tage einen Animationskosmos, der Abwechslung vom Filmprogramm des Festivals und dem Lärm der Großstadt verspricht!

Anfahrt & Öffnungszeiten

ERIC DYER

THE BELLOWS MARCH

USA 2008 • Gipsdruck-Skulpturen, Stroboskop, Kamera, Projektor

Als Untergruppe der von George Griffin geprägten „concentric animation“ bezeichnet Eric Dyer seine Kunst als „zoetropic art“. Sie hält dem Künstler zufolge unbekannte, kreative Möglichkeiten bereit, die es zu erforschen gilt. Wie schon in früheren Projekten vereint der Künstler in seiner Arbeit „The Bellows March“ verschiedene Techniken der Animationsfilmkunst. Als Grundgerüst dient ihm einerseits das Zoetrop, eines der ältesten Geräte zum Erzeugen von Bewegtbildern. Jede der Zoetrop-Skulpturen besteht aus unzähligen, verschiedenartigen Miniatur-Ziehharmonikas. Teilweise wölbt sich die abstrakte Plastik wie ein Berg, auf dem sich die kleinen Musikinstrumente verteilen. Andererseits nutzt Dyer digitale Kinematografie und modernen 3D-Druck. Die Animation wurde am Computer und Einzelteile der Skulpturen im 3D Drucker erzeugt und handbemalt. So bringt er seine Kunst aus der digitalen in die physische Welt.
Gezeigt werden zwei Skulpturen und ihre unterschiedlichen Formen, die Illusion bewegter Bilder zu kreieren. Zum einen erleben Besucher*innen die Skulptur zunächst als dynamisch animierte Szene in Form eines projizierten Films. Das Werk nimmt erst im weiteren Verlauf der Ausstellung im Stroboskoplicht seine anfängliche, plastische Form an. Die dreidimensionale Skulptur rückt hier als Kunstwerk in den Mittelpunkt. Das Publikum kann – im doppelten Sinne – zurückgehen an den Ursprung der bewegten Bilder. Der Blick „hinter die Kulissen“ und das Echtzeiterlebnis von rotierenden Zoetropen zu ihren animierten Bildern, erzeugt eine Brücke zwischen statischer und animierter Kunst. Die Grenzen verschwimmen. Mit dieser Machart verbindet der Künstler Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es entsteht ein Kreislauf, der auch inhaltlich sein Äquivalent findet. Vor dem Hintergrund des zweiten Golfkriegs fügen sich die Szenen zu einem scheinbar endlosen Zyklus aus Leben, Tod und Wiedergeburt zusammen.

Eric Dyer gibt in einem Kurzworkshop und einer Masterclass am Sonntag, 3.10. einen Einblick in seine Arbeiten und seine Herangehensweise.

MEHR DAZU

LEA SCHÖNFELDER, PETER LU

PERFECT WOMAN

Deutschland 2014 • Konsole, Projektor, Leinwand

Was macht sie aus, die „Perfect Woman“? ln Lea Schönfelders und Peter Lu ́s Spiel ringen die Spielenden um Perfektion und verbiegen sich um – humorvoll übertriebenen – weiblichen Rollenvorstellungen gerecht zu werden.
Dabei wird die Metaphorik beim Wort genommen: Mit einer Kinect Kamera werden die tatsächlichen Bewegungen der SpielerInnen eingefangen und mit den vorgegebenen Posen auf dem Bildschirm synchronisiert. Es entsteht eine Choreographie der SpielerInnen im Ringen und Verrenken um das Kopieren perfekter Vorbilder – sei es die ideale Mutter, das ungewöhnliche Call Girl, die erfolgreiche Außenministerin oder Professorin. Beginnend mit der Darstellung eines Embryos im Mutterleib präsentiert das Spiel in sieben verschiedenen Levels die unterschiedlichen Lebensphasen einer Frau und stellt die SpielerInnen in jeder dieser Phasen vor die Wahl, sich für eine „Rolle“ zu entscheiden. So basteln die Spielenden an ihren Biografien und stellen sich ihren perfekten Lebenslauf zusammen. […] Und obgleich im Spiel ausschließlich „Frauenrollen“ fokussiert werden, führen nicht nur Frauen diesen Kampf um Perfektion. Das Spiel adressiert gleichzeitig gesellschaftliche Stereotype sowie Identitäts- und Genderkonstruktionen im Allgemeinen.
Auch Männer sind genau wie Frauen von Idealvorstellungen umgeben, denen es gilt gerecht zu werden. Inspiriert wurde „Perfect Woman“ zum einen durch Lea Schönfelders damalige Lebenssituation und ihren Kampf, während eines Stipendien-Aufenthaltes am UCLA Game Lab in Los Angeles allen privaten und beruflichen Erwartungen gerecht zu werden. Zum anderen dienten Fragenkataloge aus Frauenzeitschriften – „Sind Sie die perfekte Mutter?“ oder „Sind Sie eine gute Liebhaberin?“ – als Vorlage für „Perfect Woman“.

MATTHIAS DAENSCHEL

A HISTORY OF THE WORLD IN 10.000 BRICKS

Berlin 2020 • 14 Displays, Lautsprecher

Der Trickfilmregisseur Matthias Daenschel lädt zu einer Reise durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte ein. In einer begehbaren Installation kann das Publikum auf 13 Displays Szenen aus dem Stopmotion-Film “A history oft the world in 10.000 bricks“ bestaunen.
Das Besondere: Jede der Szenen setzt sich buchstäblich aus den bekannten kleinen Klemmbausteinchen zusammen. Das Projekt startete der Künstler im letzten Jahr. Die Zeit dafür gab ihm der Lockdown und seine Söhne die nötigen Bausteine.
Vor leuchtend blauem Himmel formen sie Jahreszahlen und berühmte Bauwerke als Mittelpunkt jener Zeit. Die Welt darum ist in ständiger Bewegung und erzählt von Evolution und Revolution. Dabei geht es nicht um historische Genauigkeit. Vielmehr sind es spielerische Kommentare oder Anlehnungen an das Geschehene. Nicht alle historischen Entwicklungen werden abgebildet. Der Film folgt seiner subjektiven Weltgeschichte. Die Auswahl der Epochen und ihre Reduzierung zeigen die Sicht des Künstlers auf die Ereignisse, immer mit einem Blick fürs Besondere.
Der Kontrast zwischen historisch bedeutsamen Szenen in quietschbunter Baustein-Optik und der Untermalung mit mächtiger Filmmusik des Babelsberger Filmorchesters (Komposition: Max Knoth) verleiht dem Film eine ironisch-humorvolle Note.

Die zum Teil ikonischen Momentaufnahmen bekommen ihren ganz eigenen Charme durch die satten Farben der Spielfiguren und die Leichtigkeit, mit der Matthias Daenschel ihre kleinen Geschichten erzählt. So vermag das Schlendern durch Zeit und Raum fast wie von allein Erinnerungen an frühe Kindheitstage wecken.

MEHR ÜBER MATTHIAS DAENSCHEL

GERALD SCHAUDER

SKULPTUR23

Deutschland 2012 • Skulptur, Lichtquelle, Projektor, Wandbild

Die „Skulptur23“ von Gerald Schauder entsteht in der Auseinandersetzung mit dem Rollenbild „Rhythmus 23“ des Malers und Filmkünstlers Hans Richter aus dem Jahr 1923. Das Rollenbild diente Hans Richter als Studie für seine Filme: Es stellt die zeitliche Abfolge verschiedener Formen auf dem Papier nebeneinander dar. Im gleichen Jahr stellte Hans Richter seinen gleichnamigen schwarz-weiß Stummfilm fertig.

Gerald Schauder hat auf Grundlage des Rollenbildes eine Skulptur entworfen, welche die Formen und Farben des Rollenbildes aufgreift und neu interpretiert. So ist ein komplexes Gebilde aus Plexiglas, Holz und Acryl entstanden. Der Künstler verschränkt die Formen in kompakter Gestalt.
Die Transparenz des Materials erlaubt den Einblick in ihre verschachtelten Strukturen.

Ähnlich wie eine analoge Filmkopie dient die Skulptur im erweiterten Sinn als projizierbares Medium und wird von Licht durchleuchtet. Gerald Schauder nutzt zwei ausgerichtete Lichtquellen und wirft Schattenbilder seiner Skulptur an die Wände des Ausstellungsraums. Diese Schattenbilder frieren die Skulptur in einem vom Künstler fest gelegten Winkel für die Betrachter*innen ein, reduzieren ihre Räumlichkeit und verdichten ihre Formen auf eine dunkle statische Fläche. Aus der Skulptur wird Bild. Unweigerlich entsteht eine Ähnlichkeit mit den Bildern der schwarz-weißen Stummfilme von Hans Richter. Aber im Kontrast zum zeitbasierten Medium Film präsentiert Gerald Schauder alle Formen gleichzeitig im Raum. Die Zeit als Maßeinheit verliert ihre Bedeutung.

Wir bedanken uns für die freundliche Kooperation bei der Deutschen Kinemathek und beim MASI (Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano, CH).

MEHR ÜBER GERALD SCHAUDER

FELICIA BERGSTRÖM

Cycle of violence

Deutschland 2020 • Videoprojektoren, Lautsprecher

In der immersiven 360 Grad Installation von Felicia Bergström begegnen die Besucher*innen einer Person aus Knete – von der Künstlerin Bunny genannt – in einem plüschigen, rosa Kapuzenanzug. Mit etwas Abstand und gefühlt wie hinter einer Glaswand können wir als Betrachter*innen die Figur beobachten, die sich auf den vier Leinwänden um uns herum bewegt, uns ansieht und anspricht. Wir sind keine heimlichen Beobachter*innen, sondern stehen selbst im Mittelpunkt des Geschehens.

Unfreiwillig entsteht eine Beziehung zu Bunny, die wir nicht mit Gesten oder Worten bestätigen müssen. Wir können ihren Anschuldigungen und Entschuldigungen nur stumm gegenüber stehen. Die Zufälligkeit des Zeitpunktes, zu dem wir uns in den Installationsraum begeben, bestimmt, in welcher Verfassung wir der Figur begegnen. Je nachdem treffen wir auf monströse Wut oder scheinbar unschuldige Verspieltheit. Aber im zyklisch angelegten Geschehen gibt es keinen Anfang und kein Ende. Der Zuschauer erlebt, wie Gefühle entfacht werden, eskalieren, sich erschöpfen und wieder entfachen. Die Künstlerin gibt uns die Möglichkeit, diese Momente in einem Sicherheitsabstand auf uns wirken zu lassen.

MEHR ÜBER FELICIA BERGSTRÖM

Anfahrt & Informationen

Öffnungszeiten

Sonntag, 26.9.2021   11 – 16 Uhr (Eröffnung)
Montag, 27.9. – Donnerstag, 30.9.2021    16 – 20 Uhr
Freitag, 1.10.2021    16 – 22 Uhr
Samstag, 2.10.2021    16 – 22 Uhr
Sonntag, 3.10.2021   14 – 20 Uhr

EINTRITT FREI

Ausstellungsort

Kulturkapellen Verwalterhaus
Alter Friedhof St. Marien – St. Nikolai
Prenzlauer Allee 1
10405 Berlin

Eröffnung

Am Sonntag, 26.09. laden wir ab 11 Uhr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ein. Die Matinee findet in und um das Verwalterhaus statt.

Anfahrt

TRAM M4, M5, M6, M8: Mollstr./Otto-Braun-Str.
TRAM M2, M8: Mollstr./Prenzlauer Allee
U8, S-Bahn, Regionalzug, Bus: Alexanderplatz
U2: Rosa-Luxemburg-Platz

Für die Anfahrt vom Festivalzentrum: U6 bis Naturkundemuseum, anschließend Tram M8 oder M12 bis Mollstraße/Prenzlauer Allee. (ca. 30 Min.)

Einschränkungen aufgrund der Pandemie

Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Ausstellungsbesuch unter Umständen nur eingeschränkt möglich oder es ist beim Besuch mit Wartezeiten zu rechnen. Kurzfristige Informationen hierzu fi nden Sie auf der Festival-Website. In den Ausstellungsräumen muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

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